Coco Rosie (Frankreich)

Freitag, 23. Juli 2010, 20:00 Uhr, Theatervorplatz

VVK voll erm. AK voll erm.
12,00 9,00 14,00 11,00

Jokerkarten gelten

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Nein, CocoRosie ist keine Band, CocoRosie ist ein Land, eine eigene Welt, von der man gerne glaubt, sie sei größer als die eigene. Es ist nichts, wie es scheint, in CocoRosie-Land. Alles ist in eigenartiger Verwandlung begriffen in der Doppelwelt von Coco und Rosie, zweier Fabelwesen zwischen schön und schrecklich, Mann und Frau, hoher Kunst und kindlicher Entdeckungslust. Die zarte Folkgitarre muss mit dem quengelnden Spielzeugauto wetteifern, die elektronische Groovebox mit Popcornmaschinen, und wenn Coco zu gepresstem Puppengesang ansetzt, antwortet Rosie mit wasserklarem Opernsopran. Manchmal ist es aber auch umgekehrt.  Was hier hinter barocken Reifröcken, aufgemalten Schnurrbärten und verquerem Avantgardepop aufscheint, sind zwei Musikartistinnen formidabelster Güte, die mit Klang und Wort so ziemlich alle gewohnten Welten auf den Kopf stellen können. Im Diesseits manifestieren sie sich als Sierra und Bianca Casady, Schwestern von Geburt und auch im Geiste, die neben der CocoRosie-Welt noch eine Menge anderer, nicht minder reichhaltiger Welten betreiben. Bianca Casady ist aktiv in der Gay-Bewegung und höchst erfolgreiche Künstlerin, die mit Installationen und Bildern Ausstellungen von New York bis Brüssel ausstattet, Sierra Casady betreibt mit einem Diplom des Conservatoire de Paris in der Tasche klassischen Operngesang rund um den Globus.

Es gab natürlich eine Zeit in der dies alles noch vor ihnen lag. In jener Zeit, kurz nach der Jahrtausendwende, trafen sich die beiden Schwestern nach längerer Nichtbeachtung in Sierra Casadys Appartement im Montmartre wieder (wo sonst?), wo sie sich – laut Mythen und Legenden – aus Anlass dieses Freudenfests im winzigen Badezimmer einschlossen, samt Aufnahmegerät und Kohorten diverser Musik- und Küchengeräte, und innerhalb weniger Tage eine komplette Platte einspielten. Wie auch immer die wahre Geschichte lautet – bei CocoRosie ist es sowieso immer etwas anders als man denkt –, das Ergebnis dieser Montmartre-Session voll versponnener Schönheit wurde 2004 mit dem sprechenden Titel „La maison de mon rêve“ („Das Haus meiner Träume“) veröffentlicht und machte die Schwestern mit einem Schlag bekannt und verehrt. Es begann ein ausuferndes weltumspannendes Tourleben, in dem Orte von Buenos Aires bis Berlin das kleine Montmartre-Appartement als Inspiration ersetzten. Ergebnisse waren zwei weitere Platten voll von CocoRosie-verwunschenen Melodien sowie die gerade frisch gepresste neueste Errungenschaft „Grey Oceans“, auf der der französische Pianist Gaël Rakotondrabe die elektronisch-folkige Schwestern-Doppelwelt mit klassischem Akustikmaterial bereichert. Aber wie immer in CocoRosie-Land dreht sich auch das gute alte Chanson auf den Kopf und entpuppt sich als noch viel reichhaltiger als eigentlich gedacht. Es gibt doch immer noch eine größere Welt neben der eigenen. Und das ist auch gut so.