James Carter (USA)

James Carter – Saxofon
Corey Wilkes – Trompete
Gerard Gibbs – Piano
Leonard King – Schlagzeug
Ralphe Armstrong - Bass

Freitag, 16. Juli 2010, 20:00 Uhr, Theatervorplatz

VVK voll erm. AK voll erm.
12,00 9,00 14,00 11,00

Jokerkarten gelten

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Der große Bruder war schuld. Natürlich. Weil dieser zu Hause bei Carters immer seine Saxofone herumliegen ließ, mussten sie ja jeden Abend dem kleinen James von den verführerischen Melodien erzählen, die in ihnen schlummern. Und ihn mit ihrem goldenen Schein blenden. So konnte Klein-James gar nicht anders, als sie in die Hand zu nehmen und das schimmernde Blech zu fühlen. Was soll man auch tun, gegen den Lockruf des Goldes? So wurde James Carter ein waschechtes Saxofon-Wunderkind und erzeugte schon mit 17 derart virtuose Melodien, dass ihn Wynton Marsalis einlud, in seiner Band zu spielen. Carter nutzte die Chance, hinaus aus den Vororten seiner Heimatstadt Detroit und hinein in die große Welt zu segeln. Als junger Wilder hielt er es allerdings nicht lange aus an der Seite des traditionalistischen Marsalis, der Drang nach Entdeckung trieb ihn weiter, schließlich 1988 bis nach New York und dort direkt in die Arme des Marsalis-Gegenspielers Lester Bowie. Da war James Carter, um die zeitlichen Dimensionen dieses prallen Jazzer-Lebens nicht zu verlieren, gerade einmal 19 Jahre alt.

Und doch entstand schon zu dieser Zeit, teils aus seinem temporeichen, extrem fingerfertigen Saxofonspiel, teils aus der Tatsache, bei so unterschiedlichen Musikern gearbeitet zu haben, Carters eigener Nimbus des ruhelosen Jung-Genies, des technisch brillanten Eklektikers, der Stile und Färbungen aus allen Jazzhimmelsrichtungen bis hin zum Hiphop zu einem eigenen Sound zusammenfügt. Mit den Jahren legte er sich eine stattliche Sammlung an Holzblasinstrumenten zu, vom traditionellen Tenorsaxofon über Alt und Bariton bis hin zu spezielleren Konstruktionen wie Sopranino oder Bass. Auch Klarinetten und Flöten gehören inzwischen zu Carters musikalischem Zoo. Die Virtuosität und Vielfältigkeit seines Jazz hat seit Carters ersten Solo-Veröffentlichungen 1993 die Szene zu hysterieartigen Kommentaren hingerissen, von denen „unlimited potential“ und „future giant of jazz“ nur die moderaten sind. Carter reagierte darauf einzig richtig:

Ein Gentleman genießt und schweigt. Und macht seine Musik. Mit bis heute schon elf eigenen Alben, mit Jazzklassikern, Standards und Eigenkompositionen. Ein Credo Carters lautet: Spiele nie einen Song wie am Abend zuvor. Dementsprechend spannend ist auch sein Tour-Quintett besetzt, vom jungen Chicagoer Jazz-Soul-Trompeter Corey Wilkes über den Detroiter Hammond- und Pianomeister Gerard Gibbs bis zu erfahrenen Kollegen wie Ralphe Armstrong (vor einigen Dekaden ebenfalls als Wunderkind an Bass und Gitarre gestartet) und Schlagzeuger Leonard King, Prof. Dr., und wirklich und wahrhaftig Carters ehemaliger Lehrer an der Musikhochschule. Schön, wenn die Studienreform sich als so fruchtbar erweist.