Jan Josef Liefers (Deutschland)
Jan Josef Liefers – Gesang
Timon Fenner – Schlagzeug
Christian Hon Adameit – Bass
Gunter Papperitz – Keyboards
Jens Nickel – Gitarre
Johann Weiß - Gitarre
Freitag, 20. August 2010, 19:00 Uhr, Theatervorplatz
| VVK voll | erm. | AK voll | erm. |
| 17,00 | 14,00 | 19,00 | 16,00 |
Jokerkarten gelten nicht, Kinderkartenpflichtig
Das Konzert ist ausverkauft!
www.janjosefliefers.com
www.myspace.com/janjosefliefersundoblivion
Im Bundesarchiv wird unter der Nummer 183-1989-1104-032 ein Bild aufbewahrt, das Jan Josef Liefers von einer heute nur noch wenig bekannten Seite zeigt: mit einem Zettel in der Hand vor zwei Mikrofonen, den Blick gerichtet auf (unsichtbare) 500.000 Menschen, die sich vor ihm auf dem Berliner Alexanderplatz versammelt hatten. Es war der 4. November 1989, 11.36 Uhr. Direkt nach Johanna Schall und Ulrich Mühe trat der 25-jährige DTSchauspieler Jan Josef Liefers auf das Podium, um in sechs Minuten Sprechzeit die Zerstörung der DDRStrukturen zu fordern, „für einen demokratischen Sozialismus“. Andere folgten, von Heiner Müller bis Christa Wolf, und fünf Tage später waren diese alten Strukturen tatsächlich zerstört, die Grenze öffnete sich. Für Jan Josef Liefers begann ebenfalls eine neue Zeit, er wechselte 1990 an das Thalia Theater Hamburg, drehte erste Filmrollen und gehört seit „Rossini“, spätestens aber seit dem ersten Münster-Tatort mit Axel Prahl 2002 zu Deutschlands bekanntesten Schauspielern. Nur eben dieser Moment am 4. November 1989 ist irgendwie in Vergessenheit geraten, samt allem Vorangegangenen.
Um das zu ändern, gab Jan Josef Liefers 2006 ein Konzert in der Bochumer Jahrhunderthalle, unter dem Titel „Soundtrack meiner Kindheit“. Auch das war ein geschichtsträchtiger Moment, zumindest in musikalischen Maßstäben, denn Ruhrtriennale-Chef Flimm hatte seit 2002 verschiedene internationale Künstler eingeladen, ihre eigenen Lieblingssongs im Rahmen des Kunstfestivals zu interpretieren, darunter Rickie Lee Jones, David Byrne, Patti Smith und eben auch Schauspieler wie Meret Becker oder Jan Josef Liefers. Der hatte schon Jahre zuvor begonnen, neben den Schauspielprojekten selbst Musik zu machen. 2003 gründete er die Band Oblivion und veröffentlichte ein gleichnamiges Album. Mit dem Konzert auf der Ruhrtriennale begann ein Projekt, mit dem Liefers und Oblivion bis heute touren und das garantiert noch Stoff für einige Jahre Musikerleben enthält. Liefers stellte ein Programm alter DDR-Songs zusammen – nicht die wenigen grenzüberschreitenden Hits von den sieben Brücken und den alten Bäumen, sondern unbekanntere, selbst im Osten teilweise vergessene Lieder, von Lift, der Renft Combo und anderen. Und dank der knackigen Instrumentalbesetzung und Liefers nöliger, direkter Stimme ist es eben auch kein Nostalgiekonzert. Und erst recht keine Ostalgie. Sondern frischeste, direkte Rockmusik, die nur einen Bruchteil ihrer Energie in den von erinnernder Sehnsucht erfüllten Kopf ablädt. Der Rest geht direkt ins Tanzbein. Und bleibt auch da.







