Katzenjammer
Donnerstag, 5. August 2010, 20:00 Uhr, Theatervorplatz
| VVK voll | erm. | AK voll | erm. |
| 9,00 | 7,00 | 11,00 | 9,00 |
Jokerkarten gelten
Nein, ein Katzenjammer im landläufigen Sinn ist so ziemlich das Letzte, das sich nach einem Konzert der Damen Heilo, Bergheim, Jørgensen und Sveen einstellen sollte. Und wenn, dann höchstens, weil das Tanzbein wieder einmal arg überstrapaziert wurde. Denn Katzenjammer ist die wohl aktuell schweißtreibendste Tanzmusikcombo Norwegens seit, nun ja: überhaupt.
Und Norweger und Norwegerinnen haben bekanntlich einen eher schrägen Humor, weshalb sie sich wohl auch jenes schöne alte deutsche Wort „Katzenjammer“ entliehen. Ein Wort, das bei Goethe noch ganz kernig für den Kater nach dem Rausche stand, bei den Amerikanern schließlich zum Synonym für alles dunkel-schräg-Verrückte wurde, kurz fürs (ehemalige) deutsche Wesen. Das wiederum haben sich die vier Norwegerinnen geborgt, und damit sind wir schon mittendrin im postmodernen Spiegelkabinett. Denn Katzenjammer spielen nicht einfach schnellen folkigen Kabarettcountry, sondern die dreifach gewendete und durch den Polka-Wolf gedrehte Girlpower-Piratenversion mit enormem Hysteriepotential. Letzteres kann den geneigten Zuhörer und Mittänzer schon allein durch die Vielzahl der Instrumente beschleichen, denn Katzenjammer spielen deren mindestens 31 (in Worten: einunddreißig). Und zwar fachkundig. Als da wären, alphabetisch in deutscher Genauigkeit: Abfalleimer, Akkordeon, Banjo, Bass-Balalaika, Becken, Cello, Domra, Drehorgel, Fanfare, Geige, Gitarre, Glockenspiel, Harmonium, Jukebox, Kazoo, Kekskiste, Klavier, Mandoline, Mellotron, Melodica, Mundharmonika, Nagelklavier, Orgel, Schlagzeug, Tomtom, Trompete, Tuba, Ukulele, Vibrafon, Xylofon, und zum Schluss die alpenländische Zither. Hinzu kommen natürlich: vier Stimmen, stark wie Nordkap-Wodka, und eine orkanartige Bühnenenergie, die selbst 31 Instrumente sofort vergessen macht. Es klingt ein wenig, als ob die Dresden Dolls mit den Dixie Chicks eine ziemlich schräge Orgie gefeiert hätten, und zwar irgendwo am Ende der Welt.
2009 erschien das Debütalbum „Le Pop“ – ein Titel, der getrost als nordische Ironie gewertet werden kann, denn Pop ist, wenn überhaupt, nur ein kleiner Anteil in der musikalischen Wundertüte von Katzenjammer. Sie haben noch tausend andere Spezialitäten in petto.






