Firewater (USA)
Samstag, 31. Juli 2010, 23:30 Uhr, Kassablanca
| VVK voll | erm. | AK voll | erm. |
| 8,00 | - | 10,00 | - |
Jokerkarten gelten nicht
Ja, man muss es einmal ganz ernsthaft ansprechen: Das Feuerwasser hat schon einiges angerichtet in der amerikanischen Geschichte und steht für höchst unrühmliche Vorkommnisse. So zeugt es auch nicht von einem politisch korrekten Umgang mit Namen und Dingen, wenn Mr. Tod A. 1995 seine Band derartig benannte. Aber Tod A. ist auch nicht für politisch korrekte Handlungen bekannt (seine vorherige Band hieß Cop Shoot Cop), und DAS IST AUCH GUT SO: Denn Firewater spielen kompromisslosen, tja, Indie-Rock? Anarcho-Folk-Noise? Klezmer-Ska-Jazzpunk-Massaker? Firewater selbst bezeichnet sich gern als „wedding band gone wrong“, als fehlgeleitete Hochzeitskapelle. Man merkt, hier tropft die anarchistische Ironie aus allen Poren. Gemütsbewegungen, die Firewater auch veranlassten, ihre erste Platte 1995 mit dem Ausruf „Get Off the Cross, we Need the Wood for the Fire“ zu betiteln. Das war starker Tobak – und Firewater in aller Indie-Munde. Wobei man inzwischen konstatieren muss: Firewater ist vor allem Tod A., Bassist, Sänger, Texter und Bandleader.
Zu Beginn formierte sich Firewater durchaus als eine Art Indie-Supergroup, mit Duane Denison von The Jesus Lizard, Yuval Gabay von Soul Coughing, Jennifer Charles von den Elysian Fields und Multitalent Hahn Rowe. In dieser Besetzung wurde auch das erste Album eingespielt. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass ein solches Staraufgebot Touren und Studioarbeit fast unmöglich machte. Firewater verwandelte sich so im Laufe der Jahre in ein Tod A.-Projekt mit wechselnden Kumpels an den Instrumenten (unter anderem Oren Kaplan von Gogol Bordello und Tamir Muskat von Balkan Beat Box), was musikalisch aber keineswegs zur Verarmung führte. Im Gegenteil: Mit jedem der inzwischen sechs veröffentlichten Alben zog sich Mr. A. eine neue, vor allem richtig fette Musikrichtung an Land – von Ska, Salsa, Kabarett über den Cool Jazz amerikanischer Detektivserien und den Pathos-Pop klassischer Bollywood-Filme bis zu mexikanischem Banda-Brass und russischer Volksmusik. Alles getragen von einem sardonischen Punkrock, der mit einem konsequent falschen Griff an den Pitchreglern die ganzen exotischen Klangwelten auch wieder einreißen kann.
Dass neben diesem Punk auch ein großes politisches Ideal existiert, zeigte sich bei den Arbeiten zum letzten Album „A Golden Hour“ von 2008. Hier beschloss Tod A., nur mit einem Mikrofon und einem Laptop im Gepäck die Länder zu bereisen, die von seiner eigenen Regierung bombardiert wurden. Der ursprüngliche Reiseplan ging zwar nicht ganz auf (Afghanistan blieb ein weißer Fleck), doch bilden die gesammelten Soundsamples das Grundgerüst für eine sarkastische, ziemlich brenzlige Reise durch eine herbe Welt. Und machen trotzdem deutlich: Firewater sind die Optimisten in einer pessimistischen Welt. Die nur auf eine Wahrheit vertrauen: die unausrottbare Energie des Punkrock.



