Sa Dingding (China)
Sa Dingding – Gesang
Liu Wei – Schlagzeug
Wen Thais – Bass
Peng Bo – Keyboards
Zhang Yi – Guzheng, Pipa
Samstag, 31. Juli 2010, 20:00 Uhr, Theatervorplatz
| VVK voll | erm. | AK voll | erm. |
| 9,00 | 7,00 | 11,00 | 9,00 |
Jokerkarten gelten
Seit 2009 ist China Exportweltmeister, und sowieso – wir wissen es – bestehen fast drei Viertel eines jeden deutschen Haushalts aus chinesischen Erzeugnissen. Höchste Zeit also auch für einen kulturellen Import und einen Austausch dauerhafterer Erzeugnisse. Ein solches ist zweifelsohne Sa Dingding, chinesische Popsängerin und Bühnenereignis allererster Güte. Sa Dingding live zu erleben ist kein schlichtes Musik-erlebnis. Es ist – durchaus in einer wagnerianisch-fernöstlichen Synthese – ein Gesamtkunstwerk. Eine allumfassende, vielköpfige Komposition aus altchinesischer Folklore und elektronischen Trip-Hop-Rhythmen, aus tranceartigem Tanz und komplexer sirenengleicher Stimmarbeit, die mehr Ähnlichkeit mit den opulenten postmodernen Filminszenierungen eines Zhang Yimous hat als mit traditioneller chinesischer Volksmusik. In ihrer Heimat ist sie damit längst ein gefeierter Star und füllt große Hallen wie auch die Tonträger-Verkaufslisten im ganzen Land. Und doch, das betont sie selbst immer wieder, ist ihre eigene, ganz persönliche Herkunft und Freiheit das wichtigste Element dieses Aufstiegs, als Tochter eines Han-Chinesen und einer Mongolin, aufgewachsen zwischen Nomaden und moderner Welt und gesegnet mit einer sirenengleichen Stimme, die ihr schon mehrfach den Vergleich mit Björk einbrachte. Und eine uneingeschränkte Gänsehautgarantie für den Zuhörer.
Auch wenn Sa Dingding heute eben nicht eine einzelne Musikerin ist, sondern eine großes, unendlich kunstfertiges Spektakel, hinter der die Person Sa Dingding gänzlich zu verschwinden scheint, liegen doch in ihrer Biografie die Wurzeln und Anfänge der großen Inszenierung. Gerade einmal 18-jährig produzierte sie selbst 2001 ihren Erstling, „Dong Ba La“, und übersetzte ihre Erfahrungen darin in Sprachen von Mandarin über Tibetisch, Sanskrit und Mongolisch bis in ein ganz eigenes, nur ihr verständliches Idiom. All das macht deutlich: Ihre eigentliche Sprache ist eindeutig die Musik. Die Ausdruckspalette reicht von der chinesischen Guzheng-Zither über die Pferdekopfgeige bis hin zum neuesten Sampler-Schrei. Diese unbändige Musikalität führte sie vom angesehenen Pekinger Musikkonservatorium erst in die Konzertsäle des eigenen Landes und schließlich 2008 zum Gewinn des BBC World Music Award, mit dem sie auch weltweit ins musikalische Bewusstsein vordrang. Seitdem gilt sie in China wie auch international als Botschafterin einer neuen, sehr individuellen chinesischen Musik, die die eigenen Wurzeln und Traditionen genauso achtet wie die Musik der westlichen Welt. Und immer ein Auge in die Zukunft richtet. In welcher Sprache auch immer.









