Altin Gün // Postcards

Altin Gün // Postcards

KonzertArena

„Nah am Osten“

Manchmal fällt einem das Gute einfach in den Schoß, sagt ein Sprichwort. Und während es bei dem einen reife, schlaraffenlandartige Früchte sind, findet der andere in besagtem Schoß seine ihm eigene, verzaubernde Lieblingsmusik. In diesem Fall hatte allerdings auch diese eine gewisse Reife erreicht. Denn was Bassist Jasper Verhulst da im heimischen Amsterdam in seinem Schoß ausmachte, entpuppte sich als anatolischer Pop-Rock aus den Siebzigern, mit Stücken von Künstlern wie Erkin Koray, Selda Bağcan oder Barış Manço. Der so Verzauberte suchte über Anzeigen im Internet nach Verbündeten, um seine entdeckte Lieblingsmusik selbst neu zu arrangieren. Mit Erfolg: Die so gegründete Band Altin Gün (Goldener Morgen), führt seither den alten Sound zu neuem Glanz. Da macht es auch nichts, dass bis auf Sängerin Merve Dasdemir keines der fünf weiteren Bandmitglieder ursprünglich aus der Türkei kommt. Was zählt, ist neben dem Aussehen (à la Beatles während ihrer indischen Erleuchtungstour) der Klang. Und der hebt einen, über den türkischen Gesang hinaus, förmlich in andere Welten: Schrille Melodien aus Disco, Folk, 80er Jahre Reggea und Elektro dazu derbe Drum-Schläge und rockige Gitarrenriffs peitschen den psychedelischen Sound in einen bunten Tanzrausch, der sicher die heimische Saale in neonfarbigen Spiralen Richtung türkischem Kizilirmak fließen lässt.

Dass dieser Abend wahrhaft „Nah am Osten“ ist, zeigt indessen auch seine Einleitung in Form einer Postkarte aus dem Beirut. Gesendet wird diese in ihrer wohl charmantesten Gestalt: Mit der Band Postcards aus dem Libanon und damit aus einem Land, welches in puncto Reiseziel nicht gerade zu den gefragtesten gehört. In ihrer Musik ist diese Herkunft jedoch nicht auszumachen, sie tönt vielmehr in melodischem Sound, ausdrucksvoll liebreizendem Gesang und genretypischer Gitarrenmusik. Mit diesem markanten Dream-Pop stehen die drei Bandmitglieder nicht nur im krassen Gegensatz zum zweiten Teil des Abends. Rund um die sanfte und warme Stimme von Sängerin Julia Sabra erschaffen Gitarrist Marwahn Tohme und Schlagzeuger Pascal Semerdjian nämlich einen sphärischen Zauberwald, mit dem sie die lyrischen, nachdenklichen Texte begleiten. Dieser Zauberwald, in dem sich nun bereits zwei Alben tummeln, hat es in seinen Tiefen wahrhaft in sich.

Besetzung und Land

Niederlande

Türkei

Libanon

Zeit und Ort

Mittwoch, 5. August 2020
Kleines Paradies Jena

Beginn: 19:30 Uhr

Einlass ab: 18:00 Uhr

Tickets

Preis voll ermäßigt
Vorverkauf: 14,00 € 11,00 €
Abendkasse: 16,00 € 13,00 €

Das Kulturarena Musikpaket gilt für diese Veranstaltung mehr…

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