Danger Dan

Danger Dan

KonzertArena

Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt

Es gibt Alben, die genießt man wie eine Tüte Gummibärchen. Sprich: sehr selektiv. Da isst bzw. hört man die leckersten Stücke heraus, lässt eine Sorte komplett liegen, probiert ab und zu mal von den „Halbleckeren“, bevor man zu seinen Lieblingen zurückkehrt. Und dann gibt es Alben, die man am Stück genießt. Deren Songs man so oft hintereinander hört, dass sie beinahe zu einer Einheit verschmelzen. Wo man beim Abklingen des einen Liedes schon die ersten Töne des nächsten auf der Zuge hat. Genau so ein Album erschien voriges Jahr auf dem pandemiegebeutelten Kulturmarkt. Ein eingängiges Klavieralbum, leidenschaftlich gespielt, dass den Ohren schmeichelt und seine deutschsprachigen Textstachel mit erheblich kritischem Drive tief ins empfindsame Fleisch bohrt.

Mit „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ tritt Daniel Pongratz aka Danger Dan im April 2021 aus dem Rap-Kreis seiner Antilopen Gang. Die Zeichen der Zeit stehen gerade auf „Bundesnotbremse“, als er elf ergreifende Klavierballaden auf den Markt wirft, die Comedian-Harmonists-Chöre mit Hannes Wader, Antifaschismus mit Liebesliedern und kluger Zeitgeist-Diagnostik vereint. Hier verprügelt er gemeinsam mit Penelope Cruz „Sextouristen in Bangkok“ und zeichnet mit „Das Schreckliche Buch“ die absurde Szenerie der vorsommerlichen Corona-Demos. Er rechnet genauso mit seinem ehemaligen Gymnasium ab wie mit Verschwörungsschwurblern und so den scheinbar Unscheinbaren. Mit spitzer Feder und schonungsloser Ehrlichkeit verzahnt er seine eigene Biografie mit dem Drama der menschlichen Existenz. Und vielleicht will man gerade deshalb keines seiner Lieder skippen. Weil dieser Danger Dan eben gar nicht den Anschein gibt, selbst irgendwie perfekt zu sein. Aber weil er ehrlich ist. Und weil er verstanden hat, dass dies ein hohes Gut ist.

Dass er sein Klavier am Ende des Albums in einer schreiend heiseren Tirade von Abreißkalender-Plattitüden zerstört, passt genauso wie jegliches fehlendes Bohei während seiner Tour. Denn was braucht es hier schon? Bühne, Klavier, Mann. Das große Kino entsteht da, wo es hingehört: im Kopf.

Besetzung und Land

Danger Dan: Gesang, Klavier

Deutschland

Link

Zeit und Ort

Mittwoch, 10. August 2022
Theatervorplatz Jena

Beginn: 20:00 Uhr

Einlass ab: 18:30 Uhr

Tickets

Preis
Vorverkauf: 31,50 €
Abendkasse: 36,50 €

Kinderkartenpflichtig

Video

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