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Die Arena ist meine zweite Familie

Ein Interview mit René Wolf

An ihm muss jede und jeder vorbei: René Wolf ist das bekannteste Gesicht am Einlass der Kulturarena. Und das von Anfang an, seit mittlerweile 30 Jahren. Er fragt sich, wie schmerzlich er dieses Jahr vermisst werden wird, wenn er erstmalig pausiert. Er zieht ein Zwischenfazit in Sachen Barrierefreiheit. Und er hat jede Menge gute Wünsche an die Arena und ihr Team dabei.

Du warst bei der ersten Arena dabei, wie war das damals?
Für mich war es neu und aufregend. Ich bin jemand, der Leuten offen begegnet und deshalb habe ich mich sehr auf die Aufgabe gefreut. Trotz meines Handycaps unter Leute zu kommen, fand ich es klasse. Man war mit meiner Arbeit zufrieden und so bin ich Jahr für Jahr dabeigeblieben. Damals wurden die Karten noch nicht elektronisch entwertet, das ist so ein Unterschied, der mir einfällt.

Welche Typen begegnen einem so am Einlass?
Es ist alles dabei. Es gibt Leute, die einen ignorieren, die durch mich durchschauen. Es gibt Leute, die diskutieren, weil sie vielleicht die falsche Karte dabeihaben. Mancher versucht einfach mal so durchzukommen, wenn gerade Gedrängel am Einlass ist. Mittlerweile habe ich da einen guten Blick dafür. Die meisten sind freundlich, „Ach, wieder mal am Einlass?“- man kennt sich.

Du wirst für viele ein bekanntes Gesicht sein …
Klar, es fällt auf, wenn da jemand im Elektromobil sitzt. Das ist einfach ein Bild, das viele Leute geprägt hat. Viele grüßen mich, wenn ich durch die Stadt donnere. Hoffentlich erschrecken die Leute dieses Jahr nicht, wenn ich nicht dabei bin. Ich habe Nachwuchs in der Familie (grinst). Die Kulturarena ist für mich die zweite Familie. Es ist was Besonderes für mich, mit dem Team zu arbeiten.

Was machst du eigentlich, wenn du nicht in der Kulturarena am Einlass stehst?
Ich arbeite am Universitätsklinikum. Wir sind 5 Leute, ich bin da der Teamleiter von den Patientenlotsen. Wir begleiten Patienten zu den Ambulanzen oder Stationen. Wir sind da auch am Einlass stationiert, um Patientenbesuch abzufangen. Unterstützung im großen Wirrwarr des Klinikums. Dort im Haus kannst du mir die Augen verbinden, ich bring dich überall hin. Es gibt gewisse Ähnlichkeiten zum Einlass in der Arena: Immer freundlich bleiben, immer gechillt.

Du hast vermutlich ein anderes Auge auf die Barrierefreiheit als der durchschnittliche Besucher. Ist die Arena da gut aufgestellt?
Die Kulturarena ist, wenn ich das mal so sagen darf, im Lauf der Jahre immer barrierefreier geworden. Ich werde auch gefragt: „Wie kann man das machen? Geht das so mit den Toilettenzugängen?“ Man hat auch einen Bereich geschaffen, in dem man als Rollstuhlfahrer einen freien Blick auf die Bühne hat, sodass niemand davorsteht. Die kleine Tribüne im Schillergäßchen.

Wie empfindest du die Situation in Jena allgemein?
Es geht in die richtige Richtung. Viele Lokalitäten sind noch nicht perfekt drauf vorbereitet. Ich bin ein Typ, der abends schon mal weggeht, wenn es die Zeit erlaubt. Gut gelöst sind die Goethegalerie und großen Einkaufszentren, Wagnergasse sieht natürlich schwieriger aus. Oft sage ich: Dann eben nicht. Obwohl ich die Treppen im Stilbruch auch schon rauf und runter bin. Im Sommer draußen geht natürlich überall ganz gut.

Was macht für dich den „Geist der Kulturarena“ aus?
Die Stimmung im Team. Man kennt so viele Besucher. Für mich ist es nochmal besonders, weil ich alles von Anfang an mitbekommen habe. Auch die Wechsel, die es im Lauf der Jahre gab. Was aber immer geblieben ist, ist der familiäre Flair. Ich schätze die Leute, mit denen ich da zusammenarbeiten darf, sehr. Und es macht einfach richtig viel Spaß. Auch die Abende nach dem Konzert an der Bühnenkante. Man trinkt ein Bier zusammen, lässt den Tag Revue passieren.

Hast du schon einen Blick auf das Lineup in diesem Jahr geworfen?
Noch nicht.

Wollen wir es uns anschauen?
Gern!

Wir schauen zusammen durch die Bands. Er kennt ‚Bilderbuch‘ noch nicht! Ich singe ‚Bungalow‘, soweit mich meine wackligen Textkenntnisse tragen. Es macht leider nicht Klick. Am Ende sind ‚Helge Schneider‘, ‚Sportfreunde Stiller‘ und ‚Deine Freunde‘ die Favoriten.

Welche Musikrichtung macht dir am meisten Spaß?
Ich bin eher in der dunklen Szene unterwegs, Dark Wave und Gothic. Eher weniger, was in der Arena so kommt. In einem Jahr waren „Deine Lakaien“ zu Gast. Aber ich lasse mich auf Vieles ein. Es gibt dann auch immer wieder Überraschungen. Manches ist auch einfach neu, das muss man sich mal angehört haben, aber mehr dann auch nicht.

Hast du Geburtstagswünsche an die Arena und das Team?
Für Jena ist das mittlerweile so ein Magnet geworden, ich wünsche mir, dass es noch viele Jahre weitergeht. Dem Team wünsche ich, dass alle gesund bleiben und die Saison mit viel Freude angehen. Ich weiß, dass die immer 100 Prozent geben. Bei all dem Stress sollen sie zusammenhalten, so bleiben wie sind. Das wäre mein Wunsch. Da ist ja immer so viel zu tun, die Arbeit im Hintergrund, da ziehe ich meinen Hut davor.

Danke für deine Zeit und das schöne Gespräch!

Hinter diesem spannenden Interview steckt Friedrich Hermann:

30 Jahre Kulturarena – was für ein schöner Anlass, um all die Menschen kennenzulernen, die diesem herausragenden Festival über die Jahre ihren Stempel aufgedrückt haben! Als Stadtschreiber mache ich genau das – zusammen mit Florian Ernst. Lasst gern Feedback da, hier in den Kommentaren, auf meiner Facebookseite oder bei Instagram. Ich freu mich sehr auf eure Nachrichten!

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